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Ein neuer Karl May – Winnetou bei RTL

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Ich bin freier Journalist für Online und Radio.

„Winnetou – Der Mythos lebt“ – der Weihnachts-Dreiteiler von RTL überrascht

Die Begeisterung der Karl May-Fans hielt sich sichtlich in Grenzen, als RTL eine neue Winnetou-Verfilmung ankündigte. Die Produktion übernahm u.A. die Rat Pack Filmproduktion in Co-Produktion mit Rialto Film, welche in den 60er Jahren die meisten der Kult-Filme produzierte. Regisseur Philipp Stölzl (der Medicus) bringt uns zusammen mit den Drehbuchautoren Jan Berger und Alexander M. Rümelein drei unterschiedlich starke Western. Bei der Besetzung der Titelhelden bewies man ein guten Händchen. Bei Old Shatterhand fiel die Wahl auf Wotan Wilke Möhring, als Winnetou besetzte man den albanischen Schauspieler Nik Xhelilaj. Die beiden Schauspieler bilden ein authentisches Heldengespann. Als Sam Hawkens agiert Milan Peschel, als Nscho-tschi die mexikanische Schauspielerin Iazua Larios. Diese Charaktere sind in allen drei Episoden zu sehen.

In der ersten Episode „Eine neue Welt“, wird die Ankunft von Karl May (Wotan Wilke Möhring) im Wilden Westen erzählt. Als bei einem Ausritt Vorarbeiter Rattler (Jürgen Vogel) und dessen Leute eine Grabstätte der Apachen schänden, werden sie von den Apachen entdeckt. Karl May wird im Kampf schwer verwundet von Rattler und dessen Leuten zurückgelassen. Als Winnetou ihn skalpieren will, schlägt May den Apachen nieder. Karl May wird in das Lager der Apachen gebracht und dort von Nscho-tschi (Iazua Larios) gesund gepflegt. In der Neuverfilmung ist Winnetous Schwester die Schamanin des Stammes. Im Gegensatz zum Original wird sie nicht erschossen und lässt sich am Ende mit Old Shatterhand auf einer Farm nieder. Nur eine von vielen Abweichungen gegenüber die Vorlage.

 

Um für die Sicherheit des Ingenieurs Karl May (Wotan Wilke Möhring, 2.v.l.) zu sorgen, wird er von Ugly Joe (Oliver Masucci, l.), Joseph Rattler (Jürgen Vogel, M.) und einer bewaffneten Escorte auf der Reise in das Land der Apachen begleitet.
Um für die Sicherheit des Ingenieurs Karl May (Wotan Wilke Möhring, 2.v.l.) zu sorgen, wird er von Ugly Joe (Oliver Masucci, l.), Joseph Rattler (Jürgen Vogel, M.) und einer bewaffneten Escorte auf der Reise in das Land der Apachen begleitet.

In der ersten Episode besetzte man Ost-Häuptling Gojko Mitic als Intschu-tschuna, Winnetous Vater – eine Rolle, die der 76jährige bereits bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg verkörperte. Ebenfalls eine gute Wahl. Mitic spielt den Häuptling so, wie man sich einen weisen Apachenhäuptling eben vorstellt. Intschu-tschuna findet bereits in der ersten Episode sein Ende, als er während einer Friedensverhandlung im Eisenbahnlager von Rattler erschossen wird. Jürgen Vogel bietet uns einen bitterbösen Rattler, den man schnell zu hassen lernt. Zusammen mit seiner rechten Hand Ugly Joe, ebenfalls wunderbar fies gespielt von Oliver Masucci, gehören die beiden zu den an besten besetzten Rollen.

In allen drei Teilen „Eine neue Welt“, „Das Geheimnis vom Silbersee“ und „Der letzte Kampf“, herrscht eine andere Grundstimmung als im Original. Die Filme sind deutlich realistischer angelegt, als die der 60er Jahre. Die Stimmung wirkt teilweise recht düster. Als bestes Beispiel dient der Zweikampf in Episode Drei, zwischen Winnetou und Tokvi-kava, bei dem viel Blut fließt. Spielten die alten Filme noch in einer Traumwelt, so ist das bei der Neuerzählung nicht der Fall.  Aus heutiger Sicht verständlich, da die Sehgewohnheiten der Zuschauer nicht mehr die selben sind, wie vor über 50 Jahren. Um ein junges Publikum zu erreichen, muss schneller und actionreicher erzählt werden. Das gelingt Regisseur Philipp Stölzl gut. Karl-May-Fans kritisieren zudem die sehr freie und nicht werkgetreue Erzählweise. Hierbei ist zu sagen, dass auch die Kult-Filme der 60er Jahre bis auf wenige Ausnahmen ebenfalls wenig bis gar nichts mit den Karl-May-Büchern zu tun hatten – und trotzdem lieben sie alle. Ur-Winnetou Pierre Brice war es stets ein wichtiges Anliegen, Karl Mays Botschaft von Frieden, Gerechtigkeit und Völkerverständigung zu vermitteln. Diese Message ist besonders im dritten Teil der Neuerzählung sehr ausgeprägt. Die stärksten Teile sind Teil 1 – „Eine neue Welt“ und Teil 3 – „Der letzte Kampf“.

Nach dem Kampf der indianischen Krieger gegen Rattlers Männer findet Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring) seinen schwer verwundeten Freund Winnetou (Nik Xhelilaj, l.) am Boden und will ihn in Sicherheit bringen.
Nach dem Kampf der indianischen Krieger gegen Rattlers Männer findet Old Shatterhand (Wotan Wilke Möhring) seinen schwer verwundeten Freund Winnetou (Nik Xhelilaj, l.) am Boden und will ihn in Sicherheit bringen.

Teil 2 „Das Geheimnis vom Silbersee“ kann dahingegen weniger überzeugen. Zwar werden uns hier imposante Landschaften (besonders die Unterwasseraufnahmen sind hier hervorzuheben) gezeigt, aber Inhaltlich schwächelt der Film etwas. Der mexikanische Bandit El Mas Loco erfährt von einem Goldschatz der Apachen, welcher im Silbersee verborgen liegen soll. Er überfällt das Lager der Apachen und zwingt Nscho-tschi, ihn zum Schatz zu führen. Fahri Yardım als wahnsinniger Oberschurke El Mas Loco macht seine Sache zwar gut, hätte aber noch mehr aus der Rolle machen können. Dies wird besonders im Finale des Films deutlich. El Mas Loco begeht darin in der Schatzhöhle Selbstmord. Diese wichtige Szene hätte man noch weiter ausbauen und emotionaler gestalten können. Alles in allem wartet der zweite Teil mit weniger Spannungsbögen auf, als sein Vor- und Nachfolger.

Im dritten und letzten Teil „Der letzte Kampf“ wird hingegen wieder aus dem Vollen geschöpft. Mit Mario Adorf kehrt der Santer der 60er Jahre auf den Bildschirm zurück. Als Santer Senior ist er der Vater von Santer junior (Michael Maertens). Als Santer jr. zufällig erfährt, dass sich auf dem Land von Old Shatterhands Farm ein großes Ölvorkommen befindet, setzt er alles daran, die Farm an sich zu bringen. Old Shatterhand und Nscho-Tschi leben inzwischen gemeinsam auf der Farm. Hierbei hat man sich eine kurze Bettszene zwischen Shatterhand und Nscho-Tschi nicht verkneifen können. Das wirkt etwas zu aufgesetzt – Old Shatterhand ist nunmal nicht James Bond. Mario Adorf macht seine Sache vortrefflich und fügt sich glaubhaft in die Rolle des reichen, einflussreichen Geschäftsmannes ein. Michael Maertens liefert uns einen tollen Santer jr., der es schafft, den Hass der Zuschauer auf sich zu ziehen. Die Episode gipfelt mit einer großen Schlacht um die Shatterhand-Farm und Winnetous Tod. In dieser Szene erreicht die schauspielerische Leistung von Nik Xhelilaj (Winnetou) und Wotan Wilke Möhring (Old Shatterhand) ihren Höhepunkt.

Fazit: Man kann Alt und Neu einfach nicht miteinander vergleichen. RTL liefert uns keinen billigen Abklatsch der alten Filme, sondern etwas neues, frisches. Die freie Erzählweise war die richtige Entscheidung – wir haben Winnetou neu erlebt.

Fotos: Mit freundlicher Genehmignung von RTL

 

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