Menu

Interview mit Harald Wieczorek

Im mittlerweile fünften Jahrzehnt seit den 1970er Jahren spielt Harald Wieczorek (66) bei den Karl-May-Spielen mit. Im Vorjahr war er in gleich  drei Rollen zusehen – diesmal wird er „nur“ zwei Figuren spielen: Georg von Adlerhorst und den weisen Häuptling der Chiricahua-Apachen: Starke Hand.

DSCF2282

Harald als „Starke Hand“

Die Premiere steht vor der Tür – Wie gehen Sie damit um?

Jeder hat da seine eigene Art. Der eine macht Sport der andere Joga – egal was, jeder hat seine eigene Art. Und nach all den Jahren wo ich schon hier bin, gibt es eigentlich nichts wo ich sage, das mache ich ganz speziell. Ich bin seit 1979 hier – ein Urgestein (lacht).

Sind Sie damals anders an die Arbeit am Kalkberg herangegangen?

Das erste war, dass ich mit Raimund Harmstorf zusammengearbeitet habe, ich kam frisch von der Schauspielschule und das war natürlich etwas ganz besonderes. Und dann kannte ich so eine Freilichtbühne überhaupt noch nicht – weder als Zuschauer, noch als Schauspieler. Es war urig und man hatte auch sofort ein bedrücktes Gefühl, wegen den Pferden und so weiter. Das war eine unglaubliche Konzentration am Anfang und eine Spannung und durch die Kollegen, die schon länger da waren – heute ist keiner mehr von denen da – wurde man aufgefangen und sofort mit eingebaut und so machen wir es mit Neulingen heute auch. Also es war früher uriger, gefährlicher, weil die Sicherheitsbestimmungen früher noch nicht so gut waren, wie sie heute sind. Aber es war im Grunde schon immer dieses Karl-May-Gefühl da, nennen wir es Fieber. Das hat sich eigentlich durchgehend gehalten.

Also ist das wie in einer Familie?

Wie in einer Familie – das sagt man so klischeehaft, aber es ist tatsächlich so. Hier kommt niemand her, der nicht reinpasst.

Jetzt wohnen Sie ja in Andalusien – ist das nicht mitunter sehr stressig, wenn Sie sich immer wieder in den Flieger setzten müssen, um hierher zu kommen?

Ich wohne zwar in Andalusien aber ich komme zum Arbeiten sowieso immer wieder hierher nach Deutschland. Ich spiele ja noch Theater. Ich habe jetzt gerade zur Zeit ein schönes Stück, „Kings Speech“, mit Götz Otto gespielt – womit wir ja den ersten Preis gewonnen haben – und ich habe jetzt noch Verträge bis 2016 laufen und möchte die ausklingen lassen. Dann habe ich ab und zu noch Drehtage in München oder in Hamburg – dafür fliege ich hier rüber. Aber besonders gerne fliege ich für Segeberg hier rüber. Und ich habe ja noch bis März Theater gespielt, dann war ich wieder in Andalusien und bin jetzt wirklich nur für die Spiele hier.

Sie spielen ja meist viele Rollen in einem Stück – oftmals werden Sie ja dabei immer erschossen.

Das hat sich erst so ergeben (lacht). Es ist immer so: Wenn man junger Schauspieler ist, dann spielt man auch die jungen Rollen. Aber Karl May hat dafür eigentlich nie so geschrieben. Ab 40 gibts kaum Rollen. Das heißt, wenn man so über die 40,50 hinausgeht, spielt man auch mal 2-3 Rollen, weil mehr gibt es dann gar nicht mehr. Aber das ist für mich gar nicht wichtig, für mich ist tatsächlich immer noch wichtig, hier dabei zu sein. Und den Rekord habe ich auch schon gebrochen – beim Schatz im Silbersee waren es drei Mal in einem Stück – das finde ich, ist ein ganz witziger Aspekt.

Es lässt einen also nicht los?

Nein – auf keinen Fall! Es wird auch so bleiben. Ich nehme an, dass ich noch ein Jahr dranhängen werde – obwohl ich ja dieses Jahr schon aufhören wollte. Aber da ich nächstes Jahr ja noch in Deutschland Theater spiele, ist es auch egal – da kann ich auch gleich noch ein Jahr mit anhängen.

Sie haben sich hier in Bad Segeberg schon mehrmals verletzt – was war denn da los?

Meine zwei schwersten Verletzungen? Einmal habe ich den Ölprinzen gespielt, wo ich in 11 Meter Höhe auf dem Ölturm war und zwei Explosionen zu früh losgingen und ich dann in ein 1,50 Meter tiefes Wasserbecken gestürtzt bin – das war mein schwerster Unfall. Und der zweite war, wo ich hier den Hang heruntergaloppiert bin und ein Kind plötzlich da stand. Damals waren die Ordner noch nicht da, die Sicherheit war noch nicht so groß. Und da bin ich im vollem Galopp gestürtzt und hatte dann ein Blutgerinsel im Kopf. Das waren die beiden schwersten Verletzungen. Und sonst waren da nur so Kleinigkeiten…

Und trotz alle dem war immer der Anreiz da, wieder dabei zu sein?

Wenn die Verletzung vorbei ist, ist das abgehakt. Dann denkt man vielleicht nur noch mal entfernt daran oder wenn man dran erinnert wird, wie jetzt gerade bei dem Gespräch. Aber das hat sonst keine Bedeutung mehr.

Dann bedanke ich mich bei Ihnen für dieses Gespräch und wünsche eine schöne und vor allem verletzungsfreie Saison!

Interview: Philipp

error: